Alles sauber

Vor Kurzem hatte ich einen kleinen Ausflipper auf facebook.

Ich hatte das Gefühl, die Hausarbeit wächst mir über den Kopf, die Termine sind zu viel und sowieso bin ich total überfordert – mit allem.

„Schreib dir doch einen Essensplan“, kam der Ratschlag. Ein guter Ratschlag. Sofort habe ich mich hingesetzt und geplant. Denn das mache ich mittlerweile in vielen Bereichen. In der Werkstatt (was töpfere ich heute?), in der Schule (was töpfern die Kinder heute?), in Sachen Fitness (wie hoch hüpfe ich heute?), sogar was den Haushalt angeht hab ich mir die Hilfe einer Instagramseite namens „ordnungnebenbei“ geholt. Letztere schreibt mir einen Wochenplan mit Aufgaben wie: „Lichtschalter putzen“ oder „eine Badschublade ausmisten“ oder „Winterkleidung verräumen“. Eine super Sache ist das mit diesen Plänen. Endlich sind die kaputten, rosaroten Haarklammern von vor 12 Jahren da, wo sie hingehören – im Mülleimer.

Und so zerteile ich meine Tage in dafür vorgesehene, supereffektive Zeiteinheiten. 20 Minuten hier putzen, 45 Minuten da einkaufen, eine halbe Stunde im Garten, 40 Minuten Sport, 45 Minuten Mittagspause, 60 Minuten Internet (haha, das ist gelogen!), mittwochs bügeln, freitags fernsehen. Das macht unser Haus sauber(er zumindest), den Garten passierbar und meinen Körper definiert.

Wenn dann noch Zeit übrig ist, dann – so der Plan – mache ich das, was ich am besten kann. Würde ich diese Zeit in den Terminplaner eintragen, stünde da „kreativ sein“. Und, was soll ich sagen, das funktioniert ja mal GAR NICHT.

Denn während ich versuche, meine alltägliche Überforderung mit Plänen in den Griff zu kriegen, lässt sich meine kreative, gedankliche Überforderung überhaupt nicht ordnen. Im Gegenteil. Je mehr ich meinen Alltag strukturiere, desto wütender wird das Chaos in meinem Kopf. Ich will alles machen und alles gleichzeitig und alles sofort. Ich will schreiben und töpfern und – oh bitte – Theater spielen! Malen vielleicht noch. Linolschnitt sowieso.

„Und dann auch mal nichts tun und vor sich hinschauen“, soll Astrid Lindgren gesagt haben. Das auch noch. Wann soll ich das denn noch machen? Vor dem Lichtschalter putzen oder danach?

Ich male mir Mindmaps – denn es ist ja nicht so, als würde ich die Kniffe nicht kennen.

Aber auch das bringt keine Zeile aufs Papier und kein Dekor auf meine Keramik. Und so mache ich weiter das, was ich schon immer gemacht habe. Ich wurschtle. Ich wurschtle mich durch. Aber wenigstens mit sauberen Lichtschaltern.

Going-to-Future

Reden wir nicht lange drumherum – die Zeiten sind nicht einfach gerade. Wieder nicht. Und wer meinen letzten Blogpost gelesen hat, der weiß auch, in welcher Stimmung ich bin – oder vielmehr war. Denn auch wenn ich derzeit wirklich hart damit beschäftigt bin, die Reste meines vorhandenen Pragmatismus zusammenzukratzen – es hat sich etwas verändert. Ich habe angefangen, wieder vorwärts zu schauen.

Und weil mir das so weiterhilft und weil ich finde, dass die harten Zeiten nicht ganz so hart sind, wenn man es schafft, in die Zukunft zu schauen, möchte ich das mit euch teilen. In meinem Adventskalender.

Ich will meinen Adventskalender heuer mit euren Plänen füllen.

Und kommt mir jetzt blos nicht mit: „Wer weiß, ob ich das in drei Wochen/im Frühjahr/in meinem Leben überhaupt machen kann.“ Ja, sicher ist nichts – bis auf eure Pläne. Also her damit.

Und bleibt nicht unkonkret. Im Englischen unterscheidet man zwischen dem will- und dem going-to-future. Das Erstere drückt eine Zukunft aus, die man nicht beeinflussen kann. Eher unbestimmt. (www.studienkreis.de) Aber: „Das going-to-future verwendest du, wenn du geplante Ereignisse in der Zukunft ausdrücken möchtest.“ (www.abiweb.de)

Ich will die going-tos. Damit fülle ich die altbewährten Töpfchen in meinem Laden und meine wolperdinge-Timeline auf facebook.

Eine bunte Mischung aus den vergangenen Adventskalendern – ich kann halt nix wegschmeißen.

Ich freue mich drauf!