Nicht da – aber anders

Vor einigen Tagen war ich in einer Gärtnerei. Ich hatte mich im Vorfeld nicht über die Öffnungszeiten schlau gemacht und war deshalb ziemlich betreten, als da an der Tür der Zettel hing: Montag – geschlossen, Dienstag – geschlossen, Mittwoch – geschlossen, Donnerstag – 8Uhr bis 13 Uhr, Freitag – geschlossen. Es war Dienstag. Mist. Die Gärtnerin war aber trotzdem da. So ein Glück. „Wie schön, dass Sie sich jetzt für mich Zeit nehmen. Wo Sie doch eigentlich gar nicht geöffnet haben“, freute ich mich. „Wissen S'“, antwortete die Gärtnerin „ich bin halt oft unterwegs und nicht da. Aber wenn ich da bin bin ich da und dann ist das auch kein Problem“.

Und ich fand das sofort sympathisch und nachahmenswert. So eine Einstellung hätte ich auch gerne, bekomme ich doch oft genug zu hören, dass ich meinen Laden ja quasi nie geöffnet hätte. Zumindest dienstags nie. Stimmt. Dienstags war ich bisher immer anderswo arbeiten. Aber das weiß man ja nicht, wenn man vor meinem Laden steht. Man sieht die dunklen Schaufenster und die geschlossene Tür und denkt sich: „Die hat’s wohl nicht nötig zu arbeiten.“ Doch. Und deswegen war dienstags bisher zu.

Ab kommender Woche ist das anders. Ab kommender Woche gibt’s neue Öffnungszeiten! Ab kommnder Woche habe ich mittwochs geschlossen, um anderswo zu arbeiten.

Und ich freue mich schon auf die Massen an Menschen (es müssen wirklich Massen sein), die jetzt dienstags in meinen Laden kommen, erleichtert, dass ich endlich mal da bin! Naja, außer es stehen dringende Termine an, oder ich bin krank, oder ich bin unterwegs… Aber wenn ich da bin, bin ich da.

uuund weg.

„Wir waren ja schon so oft da, aber Sie haben nie geöffnet!“

Diesen Satz höre ich leider echt oft – aber ich weiß ehrlich nicht, was ich darauf sagen soll. Weil mir der Satz das Gefühl gibt, faul zu sein, nie zu arbeiten und ohne Ende Freizeit zu genießen. Aber das stimmt so nicht. Ich könnte jetzt erklären, dass ich ja noch einer zweiten Arbeit nachgehe, eine Familie zu Hause habe und alleine in meinem Laden bin. Bei Krankheit (eines Kindes) oder dringenden Terminen ist mein Laden eben zu. Ich habe keine Vertretung.

Aber meistens schaue ich nur geschmerzt und nicke. Wer möchte denn auch schon meinen Sermon hören?

Heute bin ich dagegen einfach lächelnd in meine Werkstatt gegangen, habe einen Zettel und einen schwarzen Stift rausgeholt..

Und habe ihn an meine Ladentür gehängt.

Der erste Urlaub, seit… Ich denke, ich hab mir den verdient. Bis dann!

Schon wieder?

Momentan kommt es mir so vor, als würde ich ständig Abwesenheitsnotizen verfassen. Und ich höre schon die Stimmen derer, die demnächst wieder bei mir vor verschlossener Ladentür stehen: „Wann arbeitet die eigentlich? Nie ist die da.“

Aber es hilft nix. Ich bin in den kommenden Wochen ein paarmal außerplanmäßig weg.

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Glaubt mir, zwei der Termine sind von der Sorte, die man lieber schwänzen und stattdessen 200 Henkel ziehen möchte. Aber einer ist dabei, da könnte es sein, dass ich mich mein Leben lang in den Hintern beißen würde, würde ich den verpassen.

Ich bitte um euer Verständnis.

PS: Sonst bleiben die Öffnungszeiten gleich.