Sommerzeit – Netze spinnen

Der Sommer ist eine schöne Zeit. Eine Zeit, in der die Wochenenden gespickt sind mit tollen Veranstaltungen. Ob es nun ein kleines, regionales Rockfestival ist, eine Vernissage oder eine ganze Nacht voller Kunst und Kultur – ich bin gerne dabei. Aber heuer war es irgendwie anders. Ich hatte eine Mission. Denn ich dachte, es könnte nicht schlecht sein für mich als Geschäftsfrau mit all meinen Projekten, wenn ich etwas tat, was ich noch nie zuvor gemacht hatte: Netzwerken.

Netzwerken. Mit Leuten reden, die wichtig sind. Kontakte knüpfen, Adressen austauschen,  Spaß haben, Sektchen trinken, Bierchen schlürfen, mal schnell Hallo sagen, winwin, Dingsbums, solche Sachen eben.

Aber irgendwie bin ich dafür ungeeignet.

Die Abende liefen allesamt gleich ab. Ich kam, traf Freunde, wir unterhielten uns, tranken ein Bierchen… oder zwei… und erst als es ans Heimgehen ging, fiel mir mein Vorsatz ein. Dann war entweder die Hälfte der Leute mit denen ich dringend reden wollte schon verschwunden, oder ich traute mir (die einzwei Bierchen im Kopf)  eine eloquente Unterhaltung einfach nicht mehr zu. Nur sehr sehr selten machte ich zaghafte Netzwerkversuche – nur um mir dann die halbe Nacht lang den Kopf zu zerbrechen, ob ich nicht doch was Falsches gesagt hatte, mich blamiert hatte oder im schlimmsten Fall mein Gegenüber sogar gelangweilt hatte.

Es gibt Menschen in meinem Umfeld, die haben diese Netzwerkerei voll drauf. Die stellen mir zu jedem X-beliebigen Thema den richtigen Ansprechpartner vor. Sie machen mich bekannt – ich stammle, bin unsicher und schrotte es.

Netzwerken liegt außerhalb meiner Komfortzone. Ich habe mich hinausgewagt und die bahnbrechende Erkenntnis gewonnen, dass das nicht mein Ding ist. Oder dass ich es wirklich noch üben muss. Aber eigentlich will ich das gar nicht. Ich will das nicht üben. Ich will an lauen Sommerabenden auf Veranstaltungen gehen und mich mit Leuten unterhalten, die ich nett finde und die mich nett finden. Ich will mir nicht ständig Gedanken machen müssen, ob ich demjenigen schon zuviel, dem anderen dagegen viel zu wenig erzählt habe. Ich will mir nicht die halbe Nacht vorstellen müssen, was der- oder diejenige jetzt mit meinen Informationen anfängt und ob diese Informationen überhaupt interessant sind. Ich will nicht nachzählen müssen, in wieviele Fettnäpfchen ich getreten bin. Das ist alles anstrengend und unangenehm.

„Du trägst eben dein Herz auf der Zunge“, kommentierte neulich ein Freund von mir meine Netzwerkbemühungen. Mit einem milden Lächeln bescheinigte er mir damit meine Unfähigkeit.

Recht hat er. Ich trage mein Herz auf der Zunge. Jeder kann immer wissen, was mit mir los ist. Jeder kann immer und zu jeder Zeit wissen, wofür ich brenne. Kein Taktieren, keine Manipulation, keine Schleimerei. Nehmt mich so – oder lasst es. Das ist mein Vorsatz für den Herbst. Und den Winter. Und das Frühjahr. Und…

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