das ist doch echt kein Thema mehr

Bevor ihr weiterlest: Es ist mir völlig egal, wie ihr euch ernährt. Total. Fühlt euch frei zu essen, was auch immer ihr essen möchtet. Außer kleine Kinder – das würde ich dann doch eher nicht so gut finden. Aber im Endeffekt müsst ihr auch das für euch selbst entscheiden.

Ich habe für mich entschieden, dass ich versuchen möchte, vegetarisch zu leben. Und ich habe mir ehrlich nicht gedacht, dass das im Jahr 2019 überhaupt noch ein Thema ist. Ich habe Freunde, die sich vegetarisch oder vegan, gluten- laktose- oder zuckerfrei ernähren – wahrscheinlich viel mehr als ich weiß. Denn ich frage nicht jeden nach seinen Essgewohnheiten. Es ist also echt kein Aufreger mehr – dachte ich.

„Woran erkennst du einen Vegetarier? – Ganz einfach, er wird es dir erzählen“, lautet der gängige Spruch. Und ich habe das Klischee hiermit erfüllt. Tatsache ist, dass ich das aber gar nicht möchte. Nach 40 Tagen Fastenzeit ohne Fleisch, Fisch und Wurst habe ich ehrlich keinen Bock drauf zu sagen, dass ich mich als Vegetarierin versuche. Denn ich kann auf die dummen Sprüche (siehe oben) wirklich verzichten. Meine Freundin hatte mich vorab gewarnt: „Ständig wirst du blöd angeredet und muss dich rechtfertigen.“ „Kann ich mir nicht vorstellen“, habe ich geantwortet. Was soll ich sagen – sie hatte Recht. Wobei ich fairnesshalber auch sagen muss, dass ich schon massiv aufpassen muss, nicht vegetarisch-selbstgerecht zu werden. Ich sehe die Klippen und ich versuche sie zu umschiffen, so gut ich kann.

Margeriten

„Da! Frühstück!“

Es ist ein Krieg der Essreligionen. Und ich bin der Überläufer zu einer verfeindeten Splittergruppe. Und das Allerschlimmste: Ich versuche damit tatsächlich einer Überzeugung gerecht zu werden. Nachdem ich mich in einer Kabarettsendung zur Massentierhaltung so dermaßen wiedergefunden habe, dass ich mich vor dem Fernseher in Grund und Boden geschämt habe („…. aber sagen Sie, war das Schwein auch wirklich glücklich? Ich möchte nur Fleisch von glücklichen Tieren kaufen“), ist mir klar geworden: Du kannst nicht immer nur so öko daherreden. Du weißt, es geht besser – ohne viel Aufwand – dann mach es halt einfach. Basta. (Und wieder hier der Hinweis: Ich habe das für mich entschieden. Sonst nix. Und jaaaaa, ich weiß, dass „nur“ fleischlos auch nicht wirklich öko ist.)

Mein Mann mag kein Blaukraut. Mein Vater mag keinen Milchreis. Meine Kinder essen keinen Rosenkohl (die Liste wäre länger, würde aber das Thema total sprengen). Das geht für alle in Ordnung. Bei Familienessen oder im Restaurant ist das für niemanden ein Thema. Doch wenn ich in der Pizzeria eine „Vegetariana“ bestelle, kommt prompt ein: „Du bist aber keine Vegetarierin, oder?“ Als wäre das etwas höchst Unanständiges. Ja, hier in der Kleinstadt ist das wohl manchmal so (nur falls sich mitlesende Städter mittlerweile zum zwölften Mal fragen, wo denn verdammich nochmal das Problem ist). Die Speisekarten empfehlen hier für Vegetarier überwiegend „Käsespätzle“. Damit muss ich mich jetzt abfinden. Genauso, wie ich auf der Karte über das heißgeliebte Lendensteak hinweglesen muss. Ja, ich liebe Lendensteak mit Kräuterbutter. Ich wünschte, ich könnte sagen, ich mag kein Fleisch. Aber das stimmt nicht.

Vermutlich wäre das auch für mein Umfeld leichter. Dann müssten wir keinen heiligen Krieg führen. Und bevor ich rumlüge und sage, dass so eine Bolognesesoße einfach nicht nach meinem Geschmack ist, würde ich vorschlagen: Wir hören einfach auf mit dem Krieg. Ich esse, was ich esse und ihr esst, was ihr esst. Fleisch, kein Fleisch, nur Fleisch, mit Zucker, ohne Zucker, Laktosefructoseglucosewasauchimmer. Außer ihr wollt Kinder essen. Dann müssten wir vorher zumindest nochmal drüber reden. Peace.

 

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