Klappe zu – Klappe auf

Ich rede viel. Zuviel, sagen Menschen, die meine negativen Eigenschaften herausstellen wollen. Ja, stimmt. Da kommen ziemlich viele Wörter in ziemlich kurzer Zeit aus meinem Mund. Außer…

…wenn ich schlagfertig sein sollte (zwei Stunden später fällt mir dann ein, was ich hätte antworten sollen).

…wenn ich auf der Bühne meinen Text vergessen habe (weil ich einfach davon ausgehe, dass es nicht mein Text ist, der fehlt).

…wenn ich beim Frisör sitze (und da ich dort auch nicht belabert werden will, ist mein Hauptkriterium für die Frisörwahl mittlerweile die Schweigefähigkeit der Frisörin).

…wenn ich an meinem Marktstand stehe.

Soll ich, oder soll ich nicht? Klappe auf oder Klappe zu? Ich versuche nach nunmehr zehn Jahren Markterfahrung auf mein Bauchgefühl zu hören. Wenn potenzielle Kunden an meinen Stand kommen, schauen, nochmal schauen, den Kopf schräg legen und ein „schön“ murmeln, gehe ich nicht davon aus, dass Ansprache gefordert ist. Ich als Kunde mag das nämlich auch nicht. Ich würde mich gestört fühlen, wenn ich neben der kniffligen Aufgabe zu entscheiden, ob dieses oder jenes Produkt für mich interessant sein könnte, auch noch Smalltalk führen müsste. Im schlimmsten Fall würde ich mich genöigt fühlen, etwas zu kaufen. Gut, aus der Verkäuferperspektive wär’s dann ein Erfolg. Aber ich baue darauf, dass sich meine Kunden melden, wenn sie etwas wissen wollen.

Dass andere Verkäufer ganz andere Bauchgefühle haben, merke ich manchmal, wenn ich meinen „Nachbarstandlern“ zuhöre:

Nachbar (zu einem potenziellen Kunden): „Das ist schön, oder? Blumenmuster.“

Kunde: „Was kostet denn das?“

Nachbar: „Das ist wunderschön, oder?“

Kunde: „Jaja. Und das kostet wieviel?“

Nachbar: „17 Euro. Aber das ist es auch wert. Jeden Cent. Weil das Qualitätsarbeit ist. So viele in meine Branche machen nicht so tolle Sachen. Bei mir gibt es einzigartiges Design.“

Kunde: „Hm.“

Nachbar: „Ja und außerdem ist es eines meiner Lieblingsstücke. Weil es ein Unikat ist. Das gibt es nirgendwo mehr in dieser Art. Das würde Ihnen bestimmt toll stehen. Ich sag ja immer…

Ehrlich, es verwundert mich, wenn ich dann nebenan das Geld klimpern höre. Und wenn es bei mir dann mal nicht so dolle klimpert, frage ich mich schon, ob ich auch offensiver auf meine Kunden zugehen sollte.

Ich (zu einem potenziellen Kunden): „Der Bierkrug ist schön, oder? Für Bier.“

Kunde: „Was kostet der denn?“

Ich: „Da steht sogar was drauf. Ist das nicht witzig?“

Kunde: „Jaja. Und der kostet wieviel?“

Ich: „19 Euro. Aber das ist er auch wert. Jeden Cent. Weil das Handarbeit ist. So viele Töpfer machen nicht so schöne Bierkrüge. Bei mir gibt es…

– nein, ich kann das nicht!

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Ich hoffe lieber darauf, dass es unter den Kunden auch welche gibt, die – wie ich – nicht belabert werden wollen. Die streichen dann über eine Tasse, nehmen sie vorsichtig in die Hand, tragen sie ein wenig herum und fragen dann:

„Ist die spülmaschinenfest?“

Ich: „Ja.“

Kunde: „Die ist total schön.“

Ich: „Danke.“

Kunde: „Wieviel kostet die?“

Ich: „12 Euro.“

Die vielen Wörter hebe ich mir lieber auf – um Menschen damit zu nerven, die meine negativen Eigenschaften herausstellen wollen. 😉

Ein Gedanke zu „Klappe zu – Klappe auf

  1. Ist oft gar nicht so leicht, einen Mittelweg zu finden! Sagt man zu viel oder zu wenig? Dann kommt es auch immer noch auf das Gegenüber an. Ist es jemand geselliges oder nicht, hat er einen gesprächigen Tag oder nicht! Aber ich gebe dir recht: zu viel des Guten kann nix!

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