Inspiration ohne Konservierungsstoffe

BItte entschuldigt, aber ich muss es einmal so deutlich sagen: Die Muse ist eine verdammte Bitch!

Mit ihr ist es, wie wenn plötzlich – sagen wir, du bist gerade mitten im Alltagstrott zwischen Rumhängen auf Facebook und dringenden Aufträgen, gefrustet und gestresst – dieser Wahnsinnstyp auf dich zukommt. Er sieht gut aus, ist witzig, eloquent und das ganze andere Zeugs, das einer braucht um perfekt zu sein. Er küsst dich, dass dir Hören und Sehen vergeht und absolut alle Sicherungen durchknallen. Und dann ist mit einem Mal alles möglich: Du könntest mit ihm nach Paris ziehen und eine Künstlerkommune aufmachen, du könntest dieses Theaterstück schreiben, dass dir gerade eingefallen ist – und warum eigentlich nicht Holzbildhauer werden? Egal was, er findet alles gut, was du in deine Notizbücher kritzelst. Wenn du gerade keine Zeit hast, weil die Kinder vom Fußballtraining abgeholt werden wollen oder du endlich diesen dringenden Auftrag fertig machen musst, ist er beleidigt. Er fängt an zu quengeln und dich mit blumigen Versprechen zu locken. Manchmal auch mit Käse und gutem Rotwein. Und schließlich gibst du nach, nachts um elf – weil er ja doch ziemlich gut küssen kann. Dann machst du das erstbeste, das dir in den Sinn kommt, das auf die Schnelle möglich ist. Paris ist gerade schlecht und Holz ist auch keins da – also immer ran ans Theaterstück. Erster Akt, zweiter Akt, du schreibst, bis die Finger bluten und der Rotwein leer ist. Ihr habt eine furiose Nacht, die Muse und du. Und dann – oh, ihr ahnt es schon – am nächsten Morgen ist er weg.

Wenn du Glück hast, ist das Theaterstück fertig und auch noch ziemlich gut geworden. Du denkst dir: Scheiß auf die Muse – du hast noch so viele Ideen. Du siehst in deine überquellenden Notizbücher. Skizzen, Gedankenschnipsel, Kassenzettel, die dich zu einem Gedicht inspiriert hätten, wäre de Inspiration denn noch da. Mit der Zeit lernst du, dass die Muse kein Typ ist, mit dem man eine feste Beziehung führen kann. Dass er kommt und geht, wie es ihm passt und dass er nichts zurücklässt, außer einem Haufen Ideen – die keine mehr sind.

P1010696

Ich frage mich immer, wie andere das machen. Wie sie ihre Ideen konservieren. Oder tun sie das gar nicht? Ich würde so gerne ein bisschen Muse eintuppern oder so. Einfrieren und wieder auftauen, wenn ich gerade Zeit habe. Gibt es das? Geht sowas? Das würde mir gefallen, glaub ich.

Aber meine Inspiration ist ohne Konservierungsstoffe. Und so bleibt mir bisher nichts anderes übrig, als weiter darauf zu warten – zunehmend genervt und unruhig – dass die Muse wiederkommt. Vielleicht ja irgendwann, wenn ich gerade den Geschirrspüler ausräume. Plötzlich ist er da, dieser Wahnsinnstyp. Ich weiß, er ist ne verdammte Bitch. Aber was soll’s?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s