Da liegt der Hase im Knopfloch

Eine der größten Herausforderungen, die ich je gemacht habe, war ein Nähkurs.
Tatsache. Ein Wochenendworkshop an der Nähschule München. Ein Einsteigerkurs. Ganz einfach. Nur ein bisschen Nähen. Alles total easy – sogar die mitgebrachten Schnittmuster („very easy“ sogar).
Das hab ich mir so gedacht. Und dann… ja dann ist mir in diesem Kurs nicht nur einmal der eiskalte Panikschweiß ausgebrochen. Ich hatte plötzlich Knoten im Hirn, wo vorher keine gewesen waren. Ich las Anweisungen wie „rechts auf rechts ineinanderschieben“ und „knappkantig feststeppen“. Ich habe Abnäher gemacht, verdeckte Reißverschlüsse eingenäht (die sind des Teufels, des Teufels, sage ich!) und ein Knopfloch fabriziert.
Irgendwann zwischen Nervenzusammenbruch und totaler Euphorie, bin ich mit der Kursleiterin, einer Schneidermeisterin, ins Gespräch gekommen. Ich sagte sowas wie: „Wir Keramiker haben ja so unsere Schwierigkeiten, wenn es um Kurse geht. Viele Leute glauben, so ein bissl Rumbazeln wäre ganz einfach. Und nach einem halben Kurstag wüsste man ja sowieso schon alles und könnte sich bald ans erste, selbstgetöpferte Porzellangeschirr machen.“
Daraufhin erntete ich einen amüsierten Blick der Schneiderin und die Antwort: „Bei mir im Kurs merken die Leute, was sie alles NOCH NICHT können.“
Und diesen Satz würde ich damals wie heute immer noch sofort unterschreiben.
Nur, möchte ich das auch für meine Töpferkurse?
Natürlich würde ich mir wünschen, dass nach meinen Kursen (oder gerne auch schon vorher) die Leute wissen, warum man für meinen Beruf eine mehrjährige Ausbildung benötigt. Dass der Respekt gegenüber diesem Handwerk wächst.
Aber für mich ist es eigentlich das Schönste, zu beobachten, wie sich die Teilnehmer entfalten. Wie sie kreativ werden – Stück für Stück – und wie aus „das kann ich nicht“ ein tolles Ergebnis wird.
Im Gegensatz zum Nähkurs gibt es bei mir keine Schnittmuster – nur ein vorgegebenes Thema, um das es sich wunderbar ausschweifen lässt.

Der Hase im Knopfloch

Der Hase im Knopfloch

Klar könnte ich auch, wie immer wieder angefragt wird, mit allen Kursteilnehmern große Vasen oder Schalen töpfern. Genau nach Vorgabe, genau nach Maß. Dann wäre mir der Respekt vor meinem Berufsstand sicher. Denn das ist nicht so „very easy“, wie es scheint.
Meine Kurse entsprechen aber eher einem wild und frei zusammengenähten Flickenteppich, statt einer Hose mit verdecktem Reißverschluss, Knopfloch und Abnähern.
Ich liebe diese Hose. Ich trage sie oft und mit Stolz. Und ich habe größten Respekt vor allen, die das Schneiderhandwerk beherrschen. Es war ein sehr guter Nähkurs.
Und ich hoffe, mein nächster Töpferkurs bekommt ebenfalls das Prädikat „sehr gut“. Kommenden Samstag geht er los. Das Thema: „Mein Name ist Hase.“ Ich bin schon total gespannt!

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