Bühne frei!

Es ist soweit. Tag1 des Wolperdinge-Adventskalenders. Zukunftspläne:

Mein Plan für die nahe Zukunft: Ich werde ein Theaterstück schreiben. Genauer gesagt, ein Festspiel. Der Anfang ist bereits gemacht und liegt in meiner Schublade (naja, in einem Ordner auf dem Rechner). Im vergangenen Jahr musste es immer mal wieder hinter aktuelleren Theatersachen (*hust*Balladenabend*hust*) zurückstehen. Aber ich werde es fertigstellen. Fester Plan! Ich bin übringens immer noch gespannt auf eure Pläne. Es müssen nicht zwingend Reisepläne sein. Es kann auch sein… „Ich werde 2022 heiraten“, oder „Ich plane eine Feier zu meinem Geburtstag“, oder „ich werde beruflich weiterkommen“, oder „Ich werde mal endlich meinen Keller aufräumen“… Immer her damit!

Going-to-Future

Reden wir nicht lange drumherum – die Zeiten sind nicht einfach gerade. Wieder nicht. Und wer meinen letzten Blogpost gelesen hat, der weiß auch, in welcher Stimmung ich bin – oder vielmehr war. Denn auch wenn ich derzeit wirklich hart damit beschäftigt bin, die Reste meines vorhandenen Pragmatismus zusammenzukratzen – es hat sich etwas verändert. Ich habe angefangen, wieder vorwärts zu schauen.

Und weil mir das so weiterhilft und weil ich finde, dass die harten Zeiten nicht ganz so hart sind, wenn man es schafft, in die Zukunft zu schauen, möchte ich das mit euch teilen. In meinem Adventskalender.

Ich will meinen Adventskalender heuer mit euren Plänen füllen.

Und kommt mir jetzt blos nicht mit: „Wer weiß, ob ich das in drei Wochen/im Frühjahr/in meinem Leben überhaupt machen kann.“ Ja, sicher ist nichts – bis auf eure Pläne. Also her damit.

Und bleibt nicht unkonkret. Im Englischen unterscheidet man zwischen dem will- und dem going-to-future. Das Erstere drückt eine Zukunft aus, die man nicht beeinflussen kann. Eher unbestimmt. (www.studienkreis.de) Aber: „Das going-to-future verwendest du, wenn du geplante Ereignisse in der Zukunft ausdrücken möchtest.“ (www.abiweb.de)

Ich will die going-tos. Damit fülle ich die altbewährten Töpfchen in meinem Laden und meine wolperdinge-Timeline auf facebook.

Eine bunte Mischung aus den vergangenen Adventskalendern – ich kann halt nix wegschmeißen.

Ich freue mich drauf!

Verantwortung – am A…

Ich bemühe mich, nicht ausfallend zu werden. Ehrlich. Aber es fällt mir schwer.

Seit Wochen schiebe ich in meiner Werkstatt eine Überstunde nach der anderen, um ja noch rechtzeitig zum Kelheimer Christkindlmarkt die schönen neuen Töpfersachen fertig zu bekommen. Schon in den letzten Tagen zeichnete sich aber ab – das wird auch heuer nichts. Jetzt ist die Absage bestätigt. Ein großer Teil meines Jahresumsatzes hat sich in Luft aufgelöst.

Wer jetzt erwartet, ich würde auf die Entscheidungsträger*innen schimpfen, der liegt falsch. Was sollen sie denn machen? Kelheim ist derzeit Corona-Hotspot, unsere Intensivstationen sind voll, die Aussichten düster. Schon alleine aus Respekt gegenüber den Menschen, die sich den Hintern abarbeiten, um Leben zu retten, können wir keinen Christkindlmarkt mit Halligalli-Glühweinexzess verantworten. Ganz zu schweigen davon, dass es unmöglich ist, auf einem großen, öffentlichen Platz 2G zu kontrollieren.

Aber ich möchte schimpfen. Weil ich frustriert bin. Und ich frage mich ehrlich, warum noch keine Intensivpflegekraft Amok gelaufen ist, angesichts dessen, was abgeht (wahrscheinlich haben die einfach keine Energie mehr, um Amok zu laufen).

Liebe Impfskeptiker*innen,

Vielleicht habt ihr es noch nicht mitbekommen, aber: Das Coronavirus ist für euch gefährlicher, als für Geimpfte. Ihr steckt euch leichter an, ihr steckt andere leichter an, ihr habt ein 10x höheres Risiko auf der Intensivstation zu landen. Dazu gibt’s genügend Studien. Weltweit (ein banales Politik-Bashing könnt ihr also getrost stecken lassen. Schwurbelei sowieso). Das heißt konkret: Es ist eure Verantwortung. ES IST EURE VERANTWORTUNG! Wärt ihr geimpft, hätten wir diese Situation nicht. Das ist so.

Seit eineinhalb Jahren kommt ihr mir mit „Eigenverantwortung“ und schafft es aber nicht, ne Maske über Mund und Rüssel zu ziehen. Ihr redet von „Diskriminierung“ und seid aber verantwortlich dafür, dass Krebspatient*innen ihre OPs nicht bekommen. Ihr jammert über das Schicksal eurer Kinder – aber es ist euch nicht daran gelegen, die Situation für sie zu verbessern (indem man sich an Maßnahmen hält – zum Beispiel)

Deshalb – bleibt mir weg. Das meine ich ernst. Bleibt weg, denn sonst kann es sein, dass ich doch noch ausfallend werde.

Und lasst euch verf…. nochmal impfen!

Ach und nochwas: Hört auf, von der Spaltung der Gesellschaft zu reden. ICH spalte nicht. Und wenn doch, geht mir das am A…. vorbei.

Wir machen das jetzt!

Vor ein paar Tagen schickte mir meine Theaterkollegin eine Mail mit dem kurzen Hinweis: „Im Anhang findest du das Hygienekonzept für die Theateraufführung. Falls wir nach unserer Rückkehr aus Italien in Quarantäe müssen, sollte es jemanden geben, der das dabeihat und vorzeigen kann.“

Naja, was soll ich sagen: Die Theaterkollegin ist Teil des Ensembles. Wenn sie in Quarantäne muss, spielen wir nicht. So einfach ist das. Um was für eine Aufführung es geht? Bittesehr, um die hier:

Theaterstücke – oder Aufführungen allgemein – zu realisieren, ist auch ohne Pandemie immer eine Sache, bei der man eine gute Portion Glück braucht. Angefangen von: „Kriegen wir einen ordentlichen Probenplan gebastelt?“ über „haben wir genug Helfer?“ bis hin zu „hoffentlich wird keiner krank“. Man ertappt sich während so einer Inzenierung schon öfter bei leicht abergläubischen Gesten (aufholzklopf) und verzweifelten Stoß- beziehungsweise erleichterten Dankgebeten.

Nun ist das alles aber ziemlich lauwarmes Pillepalle im Vergleich zu den Unwägbarkeiten, die die Pandemie für kulturelle Veranstaltungen so mit sich bringt. 2G, 3G, drinnen, draußen, Getränkeausschank oder nicht… bei rasant steigenden Inzidenzen und immer schärfer werdenden Vorgaben.

Nein, das wird hier jetzt sicher keine Jammerei über Maßnahmen und Zugangsbeschränkungen, denn:

Wir haben einen Weg gefunden und wir machen das jetzt! Wir spielen. So sicher, wie es für alle Beteiligten möglich ist. Denn wir wollen. Es wird toll – ganz bestimmt!

Also packt den Impfpass (und den Personalausweis!), eine Glühweintasse und ein Sitzkisserl ein, zieht euch warm an und kommt.

Am 14.11.2021 nach Saal oder am 21.11.2021 nach Kelheim.

Wir sind auch da – also falls keiner krank ist, oder in Quarantäne. Und falls das Wetter hält oder nicht doch noch…

Schickschick

Ich habe eine Freundin, die seit Jahren – wann immer wir uns sehen – in jede Unterhaltung ein „hast du abgenommen?“ miteinfließen lässt. Ich weiß nicht mehr, wie das entstanden ist. Wahrscheinlich, weil mein Gewicht schon immer ein großes Thema in meinem Leben war. Manchmal überdimensioniert – manchmal nur groß. Ein „hast du abgenommen?“ ist ein sicherer Weg, mich in irgendeiner Weise aufzuregen.

Neulich traf ich sie und sie fragte nicht. Vielleicht, weil wir tatsächlich älter und reifer geworden sind und uns nicht mehr gegenseitig auf die Palme bringen müssen. Vielleicht auch, weil ich tatsächlich abgenommen habe. Viel. Und man sieht es mir an.

An dieser Stelle möchte ich sagen: Ja, ich habe vorerst mal Gewicht verloren. Mit der Hilfe einer App. Nein, das ist nicht für jeden was. Und ja, ich verstehe jeden, der eigentlich abnehmen sollte, aber nicht will oder kann oder einfach andere wichtigere Themen in seinem Leben hat. Tut, was immer für euch gut ist und rechtfertigt euch nicht. Vor allem nicht mir gegenüber. Soviel dazu.

Meine Kleidergröße ist geschrumpft und meine bisherigen Klamotten schlagen Falten und rutschen (echt! Das gibt es wirklich!). Was für ein Glück ich da habe, dass eine andere wunderbare Freundin ihr Gewicht ebenfalls drastisch reduziert hat. Denn sie hat mir kurzerhand ihren „Kleiderschrank von vor 6 Wochen“ überlassen. Und DAS – liebe Leute – ist ein unglaubliches Geschenk! Da sind viele viele tolle Kleider dabei und JAAAAA eine wunderschöne schwarze Cordhose (ich bin ein Grunge-Kind der 90er – wäre noch ein Fischerhemd dabeigewesen, ich hätte wohl angefangen zu weinen).

Nun ist es aber so, dass ich in meinem Alltag eigentlich ein wenig anders gekleidet bin. In erster Linie nicht so bunt – aber das macht nichts. Ein wenig Farbe kann ich schon vertragen. Aber nicht so schick. Ich habe einfach kaum Gelegenheit, schöne, bunte Kleider auszuführen. Von den eleganten Kleidern ganz zu schweigen. Meine Garderobe sieht eben meist so aus:

Und deshalb, kann es passieren, dass der Kommentar nächstes Mal in meinem Laden nicht „hast du abgenommen?“ lautet, sondern: „Deine Hose rutscht!“ oder eben „Schickschick! Neues Kleid?“

Des lieben Friedens

Ich habe sie alle geschrottet: Weihnachtsfeiern, Osteressen, Geburtstagstreffen, Grillpartys. Es läuft immer ähnlich ab. Irgendjemand in der Runde sagt irgendwas, das ich nicht so stehenlassen kann. Etwas Sexistisches, Diskriminierendes, Verächtliches oder allgemein Vogelwildes. Und ich schwöre, in dem Moment, in dem ich dem Mund aufmache und sage: „Ich sehe das ganz anders“, bin ich gefühlt der Arsch des Tages. Weil ich die Stimmung kaputt mache, indem ich eine sinnlose Diskussion anzettle. Das lässt man mich ganz deutlich spüren.

– Nur mal kurz innehalten und sacken lassen: Ich verderbe die Stimmung, weil ich jemandem widerspreche, der zum Bespiel findet, dass das N-Wort doch nichts Schlimmes ist. Ich – nicht der oder die andere. Am Tisch wird dann gerne mit den Augen gerollt und betreten zu Boden geblickt. Es war doch so schön und jetzt muss die sich wieder aufregen. Kann sie es nicht einmal gut sein lassen?

Doch, sie kann. Um des lieben Friedens Willen habe ich meiner Familie versprochen, mich nur noch einzumischen, wenn der Schmarrn zu groß wird. Und mittlerweile nicht mal mehr dann, wie ich feststellen musste.

Da hieß es neulich auf einer Party zum Beispiel: „Für mich ist es eben Vater-Mutter-Kind, nicht Mutter-Mutter-Kind. Das ist unnormal.“ Und ich sagte – nichts.

Auch nicht auf die steile These, dass sich werdende Mütter so verrückt machen ließen, dass es kein Wunder sei, wenn die Kinder dann nicht wüssten, ob sie Männlein oder Weiblein seien und deshalb aufs Gendern bestehen würden.

Ich hielt die Klappe. Um die Stimmung nicht zu zerstören. Die schöne Stimmung, in der man ganz ungeniert homophob oder transfeindlich sein kann.

Kurz war ich sehr stolz auf mich. Mittlerweile schäme ich mich. Ich hätte etwas sagen sollen. Aber ehrlich, ich hab auch nicht immer Lust, der Arsch des Tages zu sein. Warum übernimmt das denn zur Abwechslung nicht mal wer anders?

Vielleicht weil alle Anwesenden außer mir diese Einstellung gut finden? So wirkt das auf mich. Und auf diejenigen, die so einen Mist von sich geben, muss es auch so wirken: Ich spreche vor Gleichgesinnten. Hier denken alle so wie ich. Es ist richtig, was ich sage.

Obwohl es gut möglich ist, dass alle anderen gar nicht zustimmen, sondern einfach nur um des lieben Friedens Willen schweigen.

Und das ist beinahe ebenso beunruhigend, wie Zustimmung.

uuund weg.

„Wir waren ja schon so oft da, aber Sie haben nie geöffnet!“

Diesen Satz höre ich leider echt oft – aber ich weiß ehrlich nicht, was ich darauf sagen soll. Weil mir der Satz das Gefühl gibt, faul zu sein, nie zu arbeiten und ohne Ende Freizeit zu genießen. Aber das stimmt so nicht. Ich könnte jetzt erklären, dass ich ja noch einer zweiten Arbeit nachgehe, eine Familie zu Hause habe und alleine in meinem Laden bin. Bei Krankheit (eines Kindes) oder dringenden Terminen ist mein Laden eben zu. Ich habe keine Vertretung.

Aber meistens schaue ich nur geschmerzt und nicke. Wer möchte denn auch schon meinen Sermon hören?

Heute bin ich dagegen einfach lächelnd in meine Werkstatt gegangen, habe einen Zettel und einen schwarzen Stift rausgeholt..

Und habe ihn an meine Ladentür gehängt.

Der erste Urlaub, seit… Ich denke, ich hab mir den verdient. Bis dann!

Wia schaudn des aus?

Manchmal, da fällt’s mir auf, dass in meinem Kopf eine andere Stimme spricht. Ja, das klingt ein wenig so, als wäre ich nicht ganz dicht, ich weiß. Aber soetwas wie Lebensweisheiten, Tipps oder Eselsbrücken, die mir mal gegeben wurden, spult mein Kopf gerne in der „Originalstimme“ ab. Heute hat sie gefränkelt – wie eigentlich immer, wenn ich Henkel ziehe.

Henkel ziehen gerhört zu den Aufgaben meines Berufs, die ich nicht mag. Weil man einfach so viel versauen kann. Und ist ein Henkel dann an der Tasse/ am Krug/ am Reindl, dann frage ich mich oft, ob mein ehemaliger Drehlehrer damit einverstanden wäre. „Wia schaudsn aus?“, würde er fragen, wäre ich immer noch in der Dreherei der Keramikschule. „Zeich amal her.“ In schönstem Fränkisch, selbstverständlich.

„Da muss ma scho schaugn, dass der Hengl genau gegenüber von der Schnaube is. – Am besten nimmst a graads Steggala. Sunsd werd des nigs.“ Also schaue ich, dass der Henkel gegenüber der Schnaupe ist, dass meine Markierungen ordentlich sind – „Zwa Driddl, an Driddl – der Goldene Schnidd hald“ und dass alles gut aufgerauht und vorbereitet ist. Dann geht’s ans Ziehen. „Glaichmäßich. Mit a bissele Drug. A weng schnella, sunst werd der so lädscherd.“ Beim Angarnieren, dann wieder die Frage: Hat er einen schönen Schwung, oder sieht er ungleichmäßig aus? Ist er zu nahe am Krug, oder zu weit weg? „Mei Hand soll den haldn kenna“. Und er hatte riesige Hände, mein Lehrer. Ist das Profil so, dass der Krug gut in der Hand liegt? Passt der Abschluss? „Grad ist der fei ned.“, höre ich die Stimme in meinem Kopf.

„Etz bist staad!“, antwortet meine eigene Stimme auf niederbayrisch. „Des basst scho so.“

Anmerkung: Ich liebe den fränkischen Dialekt. Wirklich. Ich bin mir bewusst, dass „mein“ Fränkisch kein „Originalfränkisch“ ist. Aber so frängld es hald in meim Schädl drin.