101 Bekannte, Unbekannte, Erfundene

Okay, momentan kann man sich schon arg belästigt fühlen, von den zahlreichen überdimensionalen Gesichtern, die einem auf dem Weg durch die Stadt entgegengrinsen. Es ist Wahlkampf und von jedem Plakat soll die eingefrorene Lache dem Wähler sagen: „Schau her, ich bin nett. Wähle mich.“ Manchmal ist es aber eher ein „Schau her, meine Lache ist  die eines machtgeilen Hanswursten. Wähle mich und du bekommst genau das, was du verdienst.“

Ich schau mir diese Plakate an und denke mir – Mist! Seit neun Monaten zeichne ich ein Gesicht nach dem anderen und suche händeringend nach Vorlagen (bei denen es auch mal nicht schlimm ist, wenn ich es nicht hinbekomme). Und kaum bin ich durch mit meinem 100-Gesichter-Projekt, schon klappen überall die Wahlplakate auf!

Im Januar habe ich mit dem Projekt begonnen. Die Idee stammt aus meinem Lieblingszeichenbuch „Zeichen‑Lab: Das Zeichenlaboartorium für experimentierfreudige Mixed-Media-Künstler“ von Carla Sonheim. 100 Gesichter zeichnen. Wann ich will, wo ich will, ob vom Foto, aus dem Kopf oder mit Modell. Technik egal – Hauptsache Spaß dabei. Zeitlimit gab’s keins. Perfekte Voraussetzungen für mich und meine durchaus wechselhafte Disziplin.

Jetzt, nachdem das 101. Bild fertig ist (ich habe echt dreimal durchgezählt und war bei 100 – wo das 101. herkommt, kann ich echt nicht sagen) bleiben mir ein paar Erkenntnisse.gesamt

Im Wald wäre es sehr still, würden nur die talentiertesten Vögel singen. In diesem Sinne – Tschilp.

Übung macht vielleicht keinen Meister aber doch echt was aus.

Es wird Zeit, sich schwarze Linoldruckfarbe zu besorgen (die rote ist ja fürchterlich)

Profil ist schwieriger als Halbfrontale

Die Brille ist notwendig

Unbekannte Gesichter schaff ich, ausgedachte Gesichter sind schwierig und selten gut, bekannte Gesichter sind fast unmöglich (deshalb seid mir bitte nicht sauer, solltet ihr euch hier entdecken und erschrecken).

Dasselbe gilt für lachende Gesichter. Vielleicht ist es dann doch ganz gut, wenn ich diese Grinsebacken von den Wahlplakaten nicht als Vorlage benutzen muss. Würde mir bei einigen auch schwerfallen, sie zu zeichnen. Denn selbst die gemeinste Karikatur hat noch einen Funken Sympathie des Zeichners im Bild. Und für manche Abgebildeten habe ich echt nichtmal einen Funken übrig.

 

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unerlaubte Abkürzungen

Nicht erst seit „Pumuckl und die Bergtour“ weiß ich: Am Berg nimmt man keine Abkürzungen. Macht man nicht. Das ist gefährlich, man kann sich verlaufen und außerdem trampelt man unnnötig schützenswerte Bergwelt kaputt. Das hat schon seinen Sinn: Bleib auf dem Weg, auch wenn dir deine Kniescheiben um die Ohren fliegen und die Abkürzung soo gefährlich nicht aussieht. Regel ist schließlich Regel. Das war auch immer in Ordnung so.Pumuckl

Bis mich kürzlich jemand als „angepasst und harmoniesüchtig“ bezeichnete. BÄM – das hat gesessen. Der Supergau! Ich und angepasst? Bin ich nicht! Oder? Oder doch? Doch, schon irgendwie.

Ich halte mich an Regeln. Ich kaue mit geschlossenem Mund, ich sage bitte und danke, ich versuche ab 22Uhr draußen nicht mehr herumzubrüllen, ich nehme am Berg keine Abkürzungen. Mein vielleicht einziges großes Revoluzzertum besteht darin, den Buchsbaum verwildern zu lassen, die Fenster nicht zu putzen und mein Auto seltenst zu waschen. (Liest sich eher so, als wäre ich einfach nur faul…)

Wie konnte das passieren? Mir, dem glühenden Pumuckl-Fan? Mir, die ich gerade Künstler und Romanfiguren toll finde, die anecken? Ich muss mir eingestehen: Sperrig zu sein (und ich meine jetzt nicht die Leibesfülle), wird wohl nur einer meiner Träume bleiben. Aber wenn ich länger darüber nachdenke, ist das eigentlich auch ganz gut so. Denn wäre ich in meinem Alltagsleben tatsächlich so anarchisch wie Pumuckl, oder so unverschämt direkt wie meine Lieblingsromanfiguren – dann würde ich mich ziemlich bald nichtmal mehr selbst leiden können. Von anderen ganz zu schweigen. Dann wäre ich nicht anarchisch, sondern arschig und respektlos. Und meiner Meinung nach geht ziemlich vieles in der Welt den Bach runter, weil wir nicht respektvoll miteinander oder mit unserer Umwelt umgehen.

Was also tun? Will ich weiter angepasst sein? Angepasst aber langweilig und eingeschränkt? Oder kann ich doch die ein oder andere Regel brechen, ohne arschig zu sein? Die ein oder andere Abkürzung nehmen? Ist es in den Bergen ohnehin nicht manchmal so, dass man nicht genau weiß, ob das jetzt hier der ausgeschilderte Weg ist, oder doch nur ein ausgelatschter Kuhtrampelpfad?

Wege

Wo geht’s hier lang? (Blaue Lacke am Sulzenauferner in Tirol)

Ich suche. Und falls ich eine Regel gefunden habe, die für mich keinen Sinn ergibt, dann… dann… dann schau ich mal, ob sie sich brechen lässt. Falls ich eine finde. Ich kann ja aus Protest schonmal eine Schachtel Schrauben runterschmeißen. Und ihr könnt mir beim Suchen helfen.

Immer die gleiche Leier

Sommer 2014. Ich hatte gerade meine ersten, allesamt unglaublich beeindruckenden Begegnungen mit Asylbewerbern hinter mir, da fand ich mich schon in der ersten Diskussion über Flüchtlinge wieder. „Richtige Flüchtlinge“ – „Wirtschaftsflüchtlinge“. Die einen ja, wenns unbedingt sein muss – die anderen auf gar keinen Fall.

Meine Ansicht 2014: Es macht für mich keinen Unterschied, ob jemand vor Krieg und Verfolgung oder vor Hunger und Armut flieht.

Sommer 2018. Ich kann einfach nicht fassen, dass das immer noch ein Thema ist.

Meine Ansicht 2018: Es macht für mich keinen Unterschied, ob jemand vor Krieg und Verfolgung oder vor Hunger und Armut flieht.

Ehrlich, ich bin es leid die immergleichen Diskussionen zu führen. Aber ich führe sie weiter. Deshalb ist auch mein diesjähriger Beitrag zur Ausstellung der Gruppe Kunst nichts wirklich neues.

Fluchtgrund 1

Fluchtgrund I

Fluchtgrund 2

Fluchtgrund II

Aber steter Tropfen…

Die Jahresausstellung der Gruppe Kunst ist noch bis zum 2.September im Donau-Gymnasium Kelheim zu sehen.

#bloggerfuerfluechtlinge

 

Nur wegen mir

Das war sie jetzt also – meine erste richtige Großdemo. „#ausgehetzt – Gemeinsam gegen die Politik der Angst!“ in München. Und zusammengefasst kann ich sagen: Sie war nass. Extrem nass.

Tatsächlich musste ich 40 Jahre alt werden, um mich mit einem Schild in der Hand in einem Demonstrationszug wiederzufinden. Schon bei den Vorbereitungen bin ich extrem aufgeregt. Was nimmt man mit auf eine Demo? Was pack‘ ich ein? Pflastersteine? (nein, Scherz!) Mein Mann amüsiert sich ein wenig darüber aber er ist froh, dass ich hingehe. Wenn auch nicht ganz klar ist, warum genau (schließlich sind es vier Demos in einer – mit vier verschiedenen Schwerpunkten) . „Weil wegen der Flüchtlingspolitik und Seenotrettung und Verrohung… und überhaupt!“, gebe ich ihm zurAntwort. „Vielleicht auch nur, um dein Ego zu steicheln. Denn wenn du ehrlich bist, weißt du, dass das ansonsten niemandem was bringt“, flüstert eine fiese Stimme in meinem Hinterkopf. „Kann schon sein“, maule ich zurück. „Na und?“

Im Zug nach München höre ich den Demonstrationserfahrungen meiner Mitreisenden zu. Wackersdorf, Lichterkette, Friedensdemo, Polizeiaufgabengesetz – eine lange, beeindruckende Liste. „Was hat dieser Protest eigentlich gebracht?“, frage ich, weil die fiese Stimme einfach nicht schweigen will. „Keine Ahnung, ob das was gebracht hat, oder ob das nicht ohnehin so gekommen wär.'“ Die fiese Stimme kichert. Aber dann: „Doch. Ohne Demonstrationen hätte sich nichts bewegt.“

Kurz bevor wir in München ankommen, beginnen sich Menschen im Abteil ihr Antifa-T-Shirt überzustreifen. „Na dann…“, denke ich und steige aus. Mal sehen, was das wird. Es fängt an zu regnen. Zu Schütten. Hunde und Katzen zu regnen. Trotz Regenjacke und netter Aufnahme unter einem Schirm bin ich binnen Minuten komplett durchnässt. Dann geht es los. Eingekeilt zwischen einer Sambaband und einem Techno-Lastwagen fühle ich mich eher wie auf der Loveparade. Und viele Menschen um mich herum verhalten sich auch so. Sie singen und tanzen, sind irre bunt und gut drauf. Die Schilder, die sie in die Luft halten sind witzig. Mein Schild ist durchweicht. Ich bin durchweicht. P1030997Ich friere, ich bin hungrig. Aber ich fühle mich nicht schlecht. Im Gegenteil. Ich habe das Gefühl mit irrsinnig vielen Menschen zu laufen. Überall überall überall sind Menschen mit Plakaten. Einige Fenster und Autos auf dem Weg sind geschmückt mit „Refugees welcome“ (Auch wenn mir die Autobesitzer schon ein wenig leidtun – bei so vielen Menschen mit Regenschirmen. Hoffentlich gibt das keine Kratzer!), an den Seiten des Demonstrationszugs stehen offensichtlich entspannte Polizisten. Und wer auch immer ein Problem mit der Polizei haben mag – ich habe auch heute keins. Den Spruch des Tages liefert ein Polizist, nachdem sich ein älterer Herr bei ihm über irgendetwas aufgeregte. „Mei, etz war alles so schee friedlich – und etz kumman Sie daher.“ Er lächelt, ich lächle mit.

Unsere Gruppe verliert kurz den Anschluss, wir gehen schneller und stoßen bei den Gewerkschaftlern wieder dazu. Sie skandieren irgendetwas – ich habe keine Ahnung was. Und ehrlich gesagt, ist mir das auch egal. Ich bin nass, mir ist kalt – so kalt, wie es einem im Juli nur sein kann und ich bin kurz davor „wann sind wir endlich dahaa?!“ zu quengeln. Man sieht es mir wohl an, denn meine Freundin meint: „Noch eine Kreuzung und dann haben wirs geschafft.“ Vorbei am Anti-Sexismus-Bus und dann einmal abbiegen in den Königsplatz. Vor uns ein offener Lieferwagen auf dem die Sozialistische Jugend Deutschlands „die Internationale“ anstimmt.

Da kommt sie dann doch durch, meine Erziehung. Aufgewachsen mit dem festen Glauben, dass die CSU in Bayern alles regelt, dass die „Sozn“ nicht ernstzunehmen sind, dass nur Lehrer und Stundenten genügend Zeit haben um die „Süddeutsche“ zu lesen, dass es sowieso keine Alternative zur CSU gibt und Demonstrieren deshalb unnütz und unanständig ist. „Die Internationale“ geht nicht. Sie klingt nach Sozialismus und DDR-Regime. Deswegen bin ich aber nicht hier. Ich bin hier wegen der Flüchtlingspolitik und Seenotrettung und Verrohung… und überhaupt! „Und weil du dich selbst so gerne als guten Menschen hinstellen willst. Hältst du jetzt echt die Internationale nicht aus? Anscheinend bist du doch nicht so tolerant, wie du gerne wärst“, ergänzt die Stimme in meinem Hinterkopf böse. Ich ignoriere sie und sehe mich auf dem Königsplatz um. So viele Menschen. So viele Fahnen. So viel Wille. Und ich mittendrin. Das macht Eindruck. Mächtig.20180722_160323Auf der Heimfahrt dann auf dem Smartphone die Suche nach ersten Teilnehmerzahlen. 20 000 sagt die Polizei. 50 000 sagen die Veranstalter. Ich habe einen Mann beobachtet, der von einem erhöhten Platz aus versucht hat, die Leute zu zählen – das ist völlig unmöglich. Über 20 000 sagt die Tagesschau dann am Abend. Ich sitze mit dicken Socken, Wolldecke und Belohnungsbier völlig erschöpft auf der Couch. 20 Sekunden in den Nachrichten. „Das war schon alles?“, wundert sich mein Mann. Ich zucke nur mit den Schultern. „Enttäuscht, was?“, ätzt die Stimme in meinem Hinterkopf. „Jetzt siehst du mal, was das alles gebracht hat. Nämlich nichts. Den ganzen Tag bist du in der Scheißkälte auf den Beinen und hast wahrscheinlich morgen ne fette Blasenentzündung – nur wegen deiner blöden Eitelkeit.“

Nein. Nein, Eitelkeit war das gestern nicht. Aber ich habe es trotzdem wegen mir gemacht. Weil ich ein Teil dieses demokratischen Staates bin und ich deshalb überzeugt bin, dass die Macht von der Bevölkerung ausgehen sollte. Wenn mir etwas nicht passt an der Politik im Land (und mir passt eine Menge nicht. Nicht nur Flüchtlingspolitik und Seenotrettung und Verrohung… und überhaupt!), dann habe ich die Möglichkeit daran etwas zu ändern indem ich die Werkzeuge nutze, die mir zur Verfügung stehen. Wahlen sind so ein Werkzeug, oder Petitionen. Ich kann versuchen, die Menschen in meinem Umfeld zu überzeugen, dass sich was ändern muss (und die Menschen in meinem Umfeld sind mit mir wirklich leidgeprüft). Ich kann zu Demonstrationen gehen. Hab ich hiermit ausprobiert. Macht mich nicht zu einem besseren Menschen. Aber hat sich gut angefühlt – nass, tropfnass – aber gut. Ganz persönlich.

alles einzeln

„Wie könnt ihr denen nur helfen? Gerade ihr? Ihr Frauen?“ Der Mann, der uns bei einer Mahnwache ansprach, schaffte es gerade noch so nicht auszusprechen, dass er Asylbewerber generell für Vergewaltiger hielt – aber es wurde doch ziemlich deutlich. Und wir Frauen müssten schon einen Grund haben, warum wir uns (und ich glaube, er erwähnte auch unsere Kinder) immer wieder mit „denen“ abgäben. Wie so oft in solchen Situationen, hatte ich keine schnelle Antwort parat. „Wa..? Wäääh?“, war das, was mir über die Lippen kam.

Das war irgendwann letzten Herbst. Und heute bin ich wieder mit einer ähnlichen Situation konfrontiert. „Du wirst doch einsehen, dass man nicht alle Menschen Afrikas nach Deutschland holen kann.“ „Kriminelle Ausländer muss man doch abschieben dürfen!“ „Wenn einer woanders registriert ist, dann hat der bei uns doch nichts zu suchen.“ „Wieso jemanden reinlassen, der eh keine Chance hat zu bleiben?“ „Wieso willst du das nicht kapieren?“

Die Antwort könnte hier wieder ein unverständliches Gestammel sein – aber diesmal will ich mir Mühe geben. Denn die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Weil ich zu allen diesen Beispielen eine Geschichte kenne.

Ich kenne Menschen, die in lybischen Lagern gewesen sind und dort misshandelt wurden. Ich kenne jemanden, der bei der Überfahrt übers Mittelmeer beinahe gestorben wäre. Ich habe das Gesicht eines jungen Mannes vor Augen, der nach Italien in die Obdachlosigkeit abgeschoben wurde, weil er nunmal dort registriert war. Ich kenne sicherlich Leute, die gelogen haben, um nach Deutschland zu kommen. Ich weiß von Menschen, die sich eher das Leben nehmen würden, als zurück zu gehen. „Illegale“, Untergetauchte, Verschwundene – auch dazu habe ich Gesichter. Ich kenne Idioten, die sich im Suff geprügelt haben. Und weiß von Jungs, die hier zu Recht eine Strafe absitzen mussten, weil sie sich grob daneben benommen haben. Ich hatte mit Frauen zu tun, die kaum hinter ihrem Mann hervorgeschaut haben und mit welchen, die sich in Deutschland erst einmal das Kopftuch von den Haaren gerissen haben. Da ist dieser träge Mann, der sich einfach nicht aufraffen kann zu arbeiten und der, der zwei Jobs hat. Da ist der Bauingenieur, die Lehrerin, der Student, der Analphabet, der Trinker, der Tagelöhner. Da ist der, der mir unheimlich ist. Da sind die, die mit mir Theater spielen.

Die BILD titelte am 21.6.2018: „Ich habe 40 Menschen ermordet und will Asyl“

Und vielleicht kenne ich auch da jemanden. Weil in Kriegen die einen die anderen umbringen.

schwarz und weiß

Für mich haben sie alle nur eines gemeinsam – das Recht, hier um Asyl zu bitten.

Denn ich kann das einfach nicht pauschal sehen. Und es kotzt mich an (entschuldigt die Formulierung), wenn in der öffentlichen Wahrnehmung aus Menschen abstrakte Begriffe gemacht werden. „Flüchtlingswelle“, „Asyltourismus“, „Illegale“, „Gefährder“, „Nichtsnutze“, „Vergewaltiger“.

Es ist doch so. Wenn man jemanden kennenlernt, seine vielen verschiedenen Facetten entdeckt und versucht ihn zu verstehen, dann wird es unmöglich pauschal zu urteilen.

Das gilt übrigens auch für Rassisten. Ich übe mich in Differenzierung. Es gibt sicher vielfältige (allesamt beknackte) Gründe, andere aufgrund ihrer Herkunft abzulehnen. Aber: Verhältst du dich rassistisch, verhältst du dich wie ein Arschloch. Und weil das so ist, ist mir auch das Schimpfwort wurscht. Basta.

ungesagt – nur aufgeschrieben

Es ist unfassbar, was Lob mit einem macht! Ich bin gestern mit Lob und Liebe überschüttet worden. Und dabei bin ich doch gerade noch so verärgert gewesen – wann war das gleich nochmal?

Der Theaterspielkreis Saal an der Donau e.V. bekam gestern für seine Inszenierung des Theaterstücks „Kartoffelkathi“ den Kunst- und Kulturpreis des Landkreises Kelheim verliehen. Als Vereinsmitglied sowie als Autorin und Regisseurin des Stücks durfte ich zusammen mit unserem Vereinsvorsitzenden eine Rede halten.

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Es muss wohl auch gestern gewesen sein als ich die Rede verfasst habe, die ich eigentlich hätte halten wollen, sie aber nicht gehalten habe weil es mir unangebracht erschien. Und ungerecht den tollen Spielern und meinem Verein gegenüber. Und jetzt, wenn ich mir die Rede so ansehe, weiß ich, dass das auch ganz gut gewesen ist. Trotzdem muss das mal gesagt werden. Also, mit viel Liebe im Herzen und ganz viel Dankbarkeit –

Hier ist die Rede, die ich NICHT gehalten habe:

„Liebe Jury, ich freue mich ehrlich über diesen Preis. Und ich bin diesen vielen tollen Menschen, die dieses Stück ermöglicht haben, wahnsinnig dankbar. Aber es gibt da eine Sache, die dieses Stück betrifft, die mich umtreibt. Und die möchte ich jetzt loswerden:

Ich denke, ich war wiedereinmal nicht deutlich genug. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Dieses Theaterstück ist wunderbar geworden, alle haben sich reingehängt, es war perfekt so wie es war. Und doch hätte ich es etwas anders inszenieren können. Es ärgert mich ein wenig, dass ich mich nicht getraut habe. Kurz zusammengefasst geht es doch in ‚Kartoffelkathi‘ um Folgendes: Da sind fremde Menschen in einem Lager. Vielleicht sind sie gefährlich, vielleicht einfach nur anders. Als die Hauptfigur des Stücks das Leid und die Not dieser Menschen sieht, bleibt ihr nichts anderes übrig, als zu helfen. Dabei gerät sie an Grenzen – auch an die eigenen.

Ist das eine Geschichte, die es so nur in der Vergangenheit gegeben hat? Wirklich?

Ja, ‚Kartoffelkathi‘ ist inspirert von einer Erzählung über meine Urgroßmutter aus dem Jahr 1945. Manchmal denke ich mir aber, ich hätte diesen Zusammenhang gar nicht herstellen sollen. Weil ich feststellen musste, dass viele Leute eben nur diesen Zusammenhang sehen – oder sehen wollen. ‚Kartoffelkathi‘ ist für sie ein Stück über ‚Damals‘. Und ‚Damals‘ ist vorbei. Basta.  Ist ja auch bequem: Zweiter Weltkrieg – schon schlimm. Schachtel auf – ‚Kartoffelkathi‘ rein – Schachtel zu – weitermachen.

Es ist meiner Feigheit geschuldet, dass der aktuelle Bezug nicht so durchgekommen ist, wie gedacht. Inwiefern aktueller Bezug? Gibt es da einen? Nicht nur einen.

Nur mal kurz angemerkt: In Lybien werden Flüchtlinge in Lagern misshandelt oder sogar ermordet, und in Deutschland sind tatsächlich manche der Meinung, man müsste die Boote der Flüchtlinge dort wieder hinschicken. In vielen Ländern – mit denen Deutschland notwendige wirtschaftliche Vereinbarungen hat – werden Menschenrechte mit Füßen getreten, Kritiker gegängelt und eingesperrt. Und ist Polen noch ein Rechtsstaat? Was ist mit Ungarn? Der italienische Innenminister will Sinti und Roma zählen. Der deutsche Innenminister bekommt jetzt seine Ankerzentren und wird von dort aus weiter Menschen in Krisengebiete wie Afghanistan abschieben. Die AfD sitzt im Bundestag! Auf der Straße werden Menschen aufgrund ihrer Religion oder ihrer Hautfarbe beschimpft. Reicht das erstmal?

Und die Kiste mit meiner ‚Kartoffelkathi‘ ist zu – und sie bleibt geschlossen. Preisgekrönt, wunderbar – aber geschlossen.

Nochmals vielen herzlichen Dank für diesen Preis. Und so bin ich heute ziemlich stolz und glücklich, dass unsere harte Arbeit für dieses Stück so eine tolle Würdigung erhält.  Andererseits bin ich aber auch traurig, dass die Aufforderung, die in ‚Kartoffelkathi‘ mitschwingt, so undeutlich ist, dass man sie nicht hört. Deshalb hier nochmal in laut:

Schau hin! Schau hin, wenn sie anfangen Menschen auszugrenzen! Schau hin, wenn sie sie gängeln und einsperren! Schau auf die Menschen, erkenne ihre Menschlichkeit und du wirst nicht anders können, als menschlich zu handeln.“

Raus aus der Schachtel

Es waren die perfekten Requisiten für unser Theaterstück. Wir haben Schachteln zu Türmen gestapelt, wir sind reingeklettert, haben Minnesänger und Rapper daraus hervorgeholt, sind darüber gestolpert und haben versehentlich beinahe alles Unheil der Welt entfesselt. Unsere Schachteln enthielten Texte von Schiller, Goethe und Shakespeare. Letzterer bekam sogar zwei. Unser Stück drehte sich um Sprache. Um die eigene, um alte, neue und fremde. Sprache ist das, was uns trennt und gleichzeitig auch das, was uns verbindet. Vielleicht war es ein bisschen zu romantisch gedacht, dass Liebe die Sprache ist, die weltweit verstanden wird und mit deren Hilfe wir es schaffen, Brücken zu bauen – Schachtelbrücken. Aber es war ein schönes, kurzes Stück, welches am vergangenen Wochenende trotz Fußball einige Zuschauer in unser kleines Theater lockte.

Kauderwelsch

Vom Theaterstück blieb nur noch die Schachtelbrücke übrig

Nachdem alles vorüber war habe ich mir die viel bespielte, wackelige Schachtelbrücke auf unserer Bühne noch einmal angesehen. Eigentlich – so dachte ich mir – eigentlich ist das im echten Leben gar nicht lustig mit diesen Schachteln. Niemand möchte gerne in eine Schachtel gesteckt werden. Und doch passiert das ständig. Es ist ja auch bequem, Menschen pauschal in eine Kiste zu werfen, den Deckel drauf zu machen, ein Etikett drauf zu kleben und sie zu verstauen. Das klingt nach Ordnung – und Ordnung beruhigt unseren Geist. Aber für diejenigen in der Schachtel ist es eher beunruhigend.

Ich sitze des öfteren in Schachteln rum. Schachteln, auf denen wahlweise „Gutmensch“ steht, oder „Besserwisser“, oder „Labertasche“, „Ökotussi“, „Esoteriktante“ (das ist der absolute Horror!) oder „hysterische Diva“. Wahrschenlich ist die Liste beliebig erweiterbar. Und bis auf die Esoteriktante kann ich mit fast allem leben.

Was ist aber mit den Menschen, die in Schachteln sitzen, in denen einfach aus populistsichen Gründen alles mögliche zusammengeschmissen wird? Ich habe miterlebt, wie viele viele Menschen, mit unterschiedlichsten Nöten und Geschichten in eine Kiste geworfen worden sind. Auf dieser Schachtel stand vor ein paar Jahren „Asylbewerber“ oder „Flüchtlinge“. Sie war offen und wir haben uns bemüht jeden einzeln zu betrachten, seine Geschichte zu kennen, nicht vorschnell zu urteilen. Jetzt ist die Schachtel fest verschlossen und auf ihrem Deckel steht „Kriminelle Asylschmarotzer – Gefährder und Terroristen! Nicht öffnen! Nicht integrieren!“ Und man will diese Schachtel nicht einmal irgendwo verstauen. Man will sie lieber loswerden. Ins Meer schmeißen.

Wann ist das passiert? Wann haben wir aufgehört, die Menschen einzeln zu betrachen? Weil wir überfordert waren und sich unser Geist nach Ruhe gesehnt hat? Vielleicht. Vielleicht auch, weil Andere unsere Überforderung ausnutzen, um an die Macht zu kommen oder an der Macht zu bleiben. Sie machen uns Angst vor dieser riesigen, gefährlichen Kiste, in denen neben Kriminellen und Terroristen auch so viele Menschen sitzen, die da eigentlich gar nichts verloren haben. Und die kommen da so schnell auch nicht mehr raus (hier schließt sich über mir die Schachtel mit dem Etikett „Linksgrünversiffte Schwarzmalerei“).

Ich wünschte, ich könnte diese Schachteln alle öffnen. Und in meiner romantischen Vorstellung einen Batzen Liebe darüber ausgießen. Steckt mich ruhig in die Schachtel „naive Träumerin“ – aber Liebe ist die Sprache, die alle verstehen. Und davon bringt mich keiner ab.

Schwer entflammbar

Der Satz, den absolut keine Rockband zum Publikum sagen will ist: „Kommt doch alle mal ein Stück weiter nach vorne.“ Ich weiß nicht, ob das anderswo auch gesagt wird – in der Kleinstadt meiner Wahl ist das bei jedem Rockkonzert so. Bei wirklich jedem. In diesem Satz liegt so viel Verzweiflung, dass ich aus lauter Mitleid schon einen Hopser nach vorne machen will – ganz unabhängig davon, ob mir die Musik dieser Band gefällt. Meistens mache ich es aber wie alle anderen Konzertbesucher und bleibe stehen. Hier in der Kleinstadt lassen wir uns nicht so schnell um den Finger wickeln, denke ich und habe gleich darauf noch ein wenig mehr Mitleid.

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Blackout Problems auf dem JUKUU in Kelheim

Uns Niederbayern sagt man ohnehin schon eine grantige, schweigsame (Gerücht!), Distanziertheit nach. In diesem speziellen Städtchen kommt noch eine gehörige Portion Skepsis und Trägheit hinzu. Erst einmal schauen. Nicht gleich alles gut finden. Wir sind schwer entflammbar und eine echte Herausforderung für alle, die auf der Bühne stehen und uns ihr Bestes geben: Ihre Leidenschaft für die Musik, ihre Gedanken in ihren Texten – keinen Fehler machen, Lampenfieber, Freiheit.

So geht es auch mir, wenn ich Theater spiele oder – aktuell – ein Theaterstück inszeniere. IMG-20180502-WA0003Wir arbeiten hart, geben unser Bestes und hoffen inständig, dass es ankommt, dass wir das Publikum erreichen, dass sie mitgehen, dass wir sie bewegen. Und wir sind uns niemals sicher, dass wir das auch schaffen.

Und während ich so auf dem Rockfestival in meiner niederbayrischen Heimatstadt stehe und die nächste Band sagen höre: „Hier vor der Bühne ist noch so viel Platz! Wie wäre es, wenn ihr jetzt alle mal einen Schritt nach vorne macht?“, sehe ich mir das Publikum genauer an. Sie lachen, sie wippen sachte mit, sie nippen an ihrem Bier und nicken zustimmend. Ein niederbayrischer Code für: Nicht schlecht. Ganz gut sogar. Es gefällt. Auch wenn das Publikum eher innerlich feiert – es feiert. Um der Leute Willen, die sich auf der Bühne leidenschaftlich abrackern, könnten wir das aber ruhig auch mal ein bisschen deutlicher machen. Burn mother%$§!?&, burn!

der Hype

„So treffen Sie den richtigen Ton“, lautete der Titel eines Artikels im ZEITmagazin, auf den mich meine Freundin vor ein paar Tagen aufmerksam machte. Wie erhofft, drehte er sich um Keramik und, wie von meiner Freundin richtig eingeschätzt, las ich ihn voller Interesse. Subjektiv von mir zusammengefasst: Keramik ist wieder Trend. Öko-Hipster weltweit kaufen ohne Ende Keramikdesign, denn: „Wer Vinylplatten hört und Retrobart trägt, der will auch entschleunigte Kaffeebecher.“ Keramikkurse boomen in denen „toughe Businessfrauen, Anwälte und gestresste digitale Nomaden an der Drehschreibe zur Ruhe kommen, sich im wahrsten Sinne des Wortes erden und mit den Elementen in Verbindung bringen.“ Hippe Restaurants ziehen handgefertigtes Geschirr dem immergleichen Porzellan vor: „Biologisch produziertes Gemüse aus der Region und das Steak vom glücklichen Rind passen gedanklich einfach perfekt zur unperfekten Optik irdener Teller.“ Der Trend geht wieder zurück zur Natur. Wie in den 80ern – nur ohne Räucherstäbchen.

Uff. Eigentlich hätte mich dieser Artikel ja positiv stimmen müssen. Mein Berufsstand ist im Aufwind! Endlich! Goldene Zeiten erwarten mich! Doch seltsamerweise wollten sich diese Glücksgefühle nicht einstellen. Stattdessen: Ärger. Und ich habe einige Zeit gebraucht um herauszufinden, was genau mich ärgert.

Die Öko-Bio-Schublade, in die der Artikel Keramiker und Kunden steckt, war es schonmal nicht. Denn ich versuche tatsächlich so umweltbewusst zu leben wie es mir möglich ist. Und das sehe ich nicht als etwas Schlechtes. Im Gegenteil. Als Keramiker umweltbewusst zu arbeiten allerdings… was soll ich sagen: Mein Brennofen läuft mit 13kW/h. Aber das nur am Rande.

Die Selbstverwirklichungsecke, in die der Artikel die Töpfer stellt, konnte es auch nicht sein. Ich muss grinsen, wenn ich mir vorstelle, dass „gestresste digitale Nomaden an der Drehschreibe zur Ruhe kommen“ sollen. Meiner Erfahrung nach ist man als Anfänger nach einer halben Stunde an der Töpferscheibe so ziemlich alles – aber nicht in sich ruhend.

Ich kam zu der Erkenntnis, dass es diese Formulierung sein musste, die mich reizte, wie ein Haar im Rachen: „Mehr Trend geht nicht.“ Was zur…? Was? WAS?

Keramik ist kein Trend. Und schon gar kein Hype. Der Beruf des Töpfers gehört zu den ältesten der Welt. Die erste Porzellanmanufaktur Europas entstand vor mehr als 300 Jahren in Meißen. Manufaktur: von lateinisch manus ‚Hand‘ und facere ‚herstellen‘. Und die in Meißen würden dir wahrscheinlich mächtig die Meinung sagen, würdest du ihren Waren eine unperfekte Optik unterstellen.

Klar, der Autor meint gar keine mittelständischen Handwerksbetriebe, wie man sie vor allem im Westerwald findet (schöne Grüße an dieser Stelle!). Diese Betriebe kämpfen hart ums Überleben. Aber nicht, weil es bis dato noch keine Öko-Hipster gab die sich für Keramik als „Accessoire“ interessierten,  sondern wegen der Flut an industrieller Massenware. Ja, auch der Becher aus dem schwedischen Möbelhaus für nichtmal 3 Euro ist Keramik. Dafür interressieren sich dann doch viele Leute.

 

Der Autor meint vielleicht auch gar nicht mich, den typischen Eine-Frau-Betrieb. P1030944Obwohl ich mit den Design-Keramikern und Keramikkünstlern, die er meint, durchaus Gemeinsamkeiten habe. Ich produziere für Eliten. Schon immer. Unter Eliten verstehe ich Menschen, die sich meine Keramik leisten wollen. Einfach, weil sie schön und praktisch ist. Klar muss ich mit meiner Arbeit mit der Zeit gehen, um weiterhin Kunden zu haben. Wie alle Schreiner, alle Frisöre, Modedesigner oder Steinmetze. Aber Keramik an sich ist ebensowenig Hype, wie die Schreinerarbeit, die Frisur, die Hose oder der Grabstein. Und sie darzustellen „als Accessoire einer geschmackvollen, individualistischen Lebensführung“ mit der Lebensdauer eines Quinoasmoothies geht einfach gar nicht.

Das ist Firlefanz. Und zum Glück von meinem Laden in meinem kleinen Kelheim noch ganz weit weg. Vielleicht erreicht mich dieser Hype auch nie. Würde mich wahrscheinlich auch nicht stören.

Eine Stunde an diesem Ort

Da stand ich nun, blickte auf den Waldmeister zu meinen Füßen und fragte mich, ob es pietätlos wäre, hinterher ein paar Stängel für das Schulprojekt meiner Tochter mitzunehmen. Gleich darauf rief ich mich zur Ordnung. Ich war nicht hier, um Waldmeister zu pflücken. Ich war hier – an der sogenannten „Verbrennungsstelle“ des ehemaligen Konzentrationslagers Saal an der Donau – um an einer Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Es war mir wichtig gewesen, herzukommen. Mein Theaterstück „Kartoffelkathi“ basiert auf einer Geschichte, die sich zur Zeit dieser schrecklichen Ereignisse in Saal abgespielt haben soll. Irgendwie fand ich, ich wäre es schuldig mich zumindest auf der Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestags der Lagerbefreiung einzufinden. Schuldig, wem auch immer.

Musik. Briefe von Zeitzeugen. Musik. Briefe von ehemaligen Häftlingen. Musik. Eine kurze Ansprache eines Überlebenden. Musik. Die Enthüllung einer Gedenktafel. Musik. Stimmungsvoll, berührend, beklemmend. Dabei war es nichts, was ich noch nie gehört hätte. Ich hatte schließlich Geschichtsunterricht gehabt, ich kenne Filme, Bücher und Fernsehdokumentationen zu diesem Thema. Ich habe für mein Theaterstück ein wenig recherchiert. Aber da zu sein, an solch einem grausigen Ort und die Worte direkt Betroffener zu hören, war noch einmal etwas ganz anderes. Was würde ich also mitnehmen von so einer Gedenkveranstaltung? Würde ich überhaupt etwas mitnehmen?

Ich sah ihn mir an, den Überlebenden der gekommen war, um uns noch einmal seine Geschichte zu erzählen. 93 Jahre alt, die Stimme leise und sanft. Wieder glitten meine Gedanken ab. Zurück zum Waldmeister auf dem Boden. An den Beinen der Zuhörer hoch, auf ihre sonnenbeschienenen, grauen Häupter. Es waren viele ältere Menschen gekommen.

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KZ-Gedenkweg an der Teugner Straße in Saal a.d. Donau

Zu spät, dachte ich mir plötzlich. Es ist zu spät. Die Zeitzeugen werden immer weniger. In ein paar Jahren wir niemand mehr da sein, der uns seine Geschichte erzählen könnte. Was dann? Werden dann Geschichtsbücher und Fernsehdokumentationen ausreichen müssen? Unpersönlich und weit weg?

Mit einem Mal begriff ich, dass auch ich mich zuständig fühlen sollte. Dass ich nicht länger diejenige sein sollte, die sich die Geschichten nur anhört, die sich mahnen lässt. Ich sollte diese Geschichten vielmehr weitererzählen. Damit auch meine Kinder begreifen, wie weit es kommen kann, wenn man die Zeichen nicht sieht. Mit Sicherheit ist das nicht annähernd so beeindruckend, wie die Geschichten von Zeitzeugen selbst zu hören – aber besser als nichts.

Das also habe ich mitgenommen von dieser einen Stunde an einem bedrückenden Ort am Rande meines Heimatdorfes. Das – und dann doch ein paar Stängel Waldmeister.