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Und ich weiß, dass er dafür nichtmal Worte braucht. Da reichen Blicke und Gesten.

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was weg is, is weg

Ich befürchte, ich habe vergangene Woche eine Kundin verärgert, als ich ihr gesagt habe, die Tasse, die sie kaufen wollte – oder auch nicht, könnte nicht mehr da sein, sollte sie zu lange zögern. „Die haben Sie ja nächste Woche noch in ihrem Laden, oder?“ – „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Was weg ist, ist weg. Wissen Sie, meine gesamte Ware ist hier in diesem Christkindlmarktstand.“

Was weg is, is weg.

Die Tasse ist tatsächlich nicht mehr da. Der Rest meiner Ware aber auch nicht. In meinem Christkindlmarktstand hat es gebrannt. Nein, falsch: Mein Christkindlmarktstand ist total ausgebrannt.

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Foto: Freiwillige Feuerwehr Kelheim-Stadt

Es ist alles hin. (Wie das so kommen konnte, weiß ich immer noch nicht. Trotz aller Spekulationen, die bereits im Umlauf sind. Nur eins kann ich mit Sicherheit sagen: die Gasflasche im Stand ist NICHT explodiert. Gasflaschen sind speziell gesichert. Diese Sicherung hat funktioniert. Außerdem sähe es da ganz anders aus, hätte es eine Explosion gegeben.)

Alles weg. Locker ein halbes Jahr Arbeit vernichtet. „Du steckst das noch ganz gut weg“, meinte gestern eine Standnachbarin. Ja, vielleicht. Vielleicht hat mich das Ausmaß meines Verlusts noch gar nicht erreicht. Vielleicht wird es mich erst treffen, wenn ich in meinem Laden vor den leeren Regalen stehe und nicht weiß, wo ich anfangen soll, sie wieder zu füllen.

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Alles kaputt auf dem Boden meines Standes

Ich habe gestern versucht eine Bestandsaufnahme zu machen. Was ist weg? Wieviel war es wert? Das ist durchaus deprimierend. Neben meiner Keramik und den Holzschalen gab’s da noch diese praktischen Dinge, die ich über die Jahre gesammelt habe, oder die ich mir teuer kaufen musste. Meinen „Stehstuhl“ zum Beispiel. Den Teppich, der meine Füße gegen die Kälte geschützt hat, das „Standwerkzeug“ mit dem ich fast alle auftauchenden technischen Probleme im Stand lösen konnte – solche Sachen eben. Meinen Feuerlöscher! Die beiden riesigen Stoffbahnen, die ich in unserem dafür viel zu kleinen Wohnzimmer mit meiner viel zu kleinen Nähmaschine eingesäumt habe, die Werkzeugkiste meines Opas, die ich abgeschliffen und neu lackiert habe…

Dann dachte ich mir plötzlich: Es sind doch alles nur Dinge. Es hätte so viel schlimmer kommen können. Zum Glück ist niemand verletzt worden. Zum Glück hat das Feuer nicht auf andere Stände oder Gebäude übergegriffen. Der Brand passierte am Morgen und wurde schnell entdeckt. Die Feuerwehr war gleich zur Stelle. Der Stand selbst war einer der älteren (am ersten Wochenende hat’s noch reingeregnet) und der Christkindlmarkt konnte noch weiterlaufen – ohne mich, aber ich habe nur diesen einen letzten Tag verpasst. Ich hatte keine bereits bezahlten Bestellungen mehr im Stand, keine persönlichen Gegenstände, keine Einnahmen, kein Wechselgeld. ES IST NIEMAND VERLETZT WORDEN.

Und: Ich habe gestern so viel Zuspruch und Trost bekommen. Wie war das noch gleich in meinem Adventskalender: „Freunde – In der Not gehen 1000 auf ein Lot“ Mein Lot ist ganz groß und schwer von den vielen lieben Menschen, die mich gestern gedrückt haben, die mir ihre Hilfe angeboten haben, die mir geschrieben oder mich angerufen haben. Vielen Dank! Vielen lieben Dank!

Ich werde mich jetzt wieder aufrappeln, in meine Werkstatt gehen, mich umsehen und mich einem anderen Satz zuwenden: „Wos i hob, hob i“